Fast jeder zweite Muslim in der Flüchtlingshilfe aktiv

Muslima

Muslime in Deutschland bringen sich noch stärker in die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe ein als Mitglieder anderer Konfessionen oder Atheisten. Das belegt die Auftaktstudie des Religionsmonitors 2017 der Bertelsmann Stiftung. Mit ihren kulturellen Kompetenzen und Integrationserfahrungen sind Muslime damit wichtige Brückenbauer in unserer Gesellschaft. Die Flucht hunderttausender Menschen nach Deutschland hat neue zivilgesellschaftliche Potenziale in Deutschland geweckt.

Vorurteile, Muslime würden sich wenig bis gar nicht in der Flüchtlingshilfe beteiligen und kaum gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, treffen somit nicht zu. Auch die Annahme, Muslime würden die Flüchtlingshilfe für eine religiöse Einflussnahme missbrauchen, sind laut aktuellem Religionsmonitor 2017 haltlos. Allenfalls bei ein bis zwei Prozent der Helfer kann von einer Absicht, Geflüchtete zu radikalisieren, gesprochen werden. Die große Mehrheit der Muslime wirbt hingegen für eine offene Haltung gegenüber anderen Religionen. Sie setzen sich damit für demokratische Grundprinzipien ein. Durch ihre eigenen Integrationserfahrungen und ihre demokratischen Kompetenzen können engagierte Muslime in der Flüchtlingshilfe ein Vorbild sein, wie Integration in einer vielfältigen Gesellschaft gelingt. "Muslime sind mit ihrem Engagement in der Flüchtlingshilfe wichtige Brückenbauer in unsere Gesellschaft", sagt Stephan Vopel, Experte für gesellschaftlichen Zusammenhalt der Bertelsmann Stiftung.

Rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung hat sich 2016 für Flüchtlinge engagiert – die meisten von ihnen regelmäßig. Durch die Flüchtlingshilfe erreicht das Ehrenamt Bevölkerungsteile, die sich bislang wenig engagiert haben: junge Erwachsene, Menschen mit niedrigem Einkommen und Personen mit Migrationshintergrund. Durch die Flüchtlingshilfe gestalten diese Gruppen die Gesellschaft mehr und mehr aktiv mit. Ebenfalls auffällig ist das intensive Engagement der ostdeutschen Bevölkerung: So engagiert sich jeder fünfte ostdeutsche Flüchtlingshelfer regelmäßig mehrmals die Woche; unter den westdeutschen Engagierten ist nur jeder zehnte so aktiv.

Flüchtlingsunterkünfte als Knotenpunkte des Engagements

In der Frage, ob sich jemand in der Flüchtlingshilfe engagiert oder nicht, spielt der Ort einer Flüchtlingsunterkunft eine zentrale Rolle. Wer in der Nähe einer solchen Einrichtung wohnt, engagiert sich deutlich häufiger für Geflüchtete als Menschen, die weiter weg wohnen: In Westdeutschland engagieren sich 28 Prozent, wenn sie in der Nähe einer Unterkunft wohnen. Tun sie das nicht, sind es nur 14 Prozent. In Ostdeutschland helfen 17 Prozent der Bevölkerung Flüchtlingen, wenn sie in der Nähe einer solchen Einrichtung leben. Leben sie weiter weg, sind es nur 12 Prozent.

Gemeinschaftsunterkünfte sind also wichtige Orte, um Hilfe anzubieten, und sie sind nicht nur „Stein des Anstoßes“. So fühlen sich nur acht Prozent der westdeutschen und 15 Prozent der ostdeutschen Anwohner durch die Unterbringung von Geflüchteten in ihrem Viertel tatsächlich gestört. Die Ängste sind vor der Einrichtung einer Unterkunft meist größer als die tatsächlichen Probleme, die sich anschließend ergeben. Dies zeigt erneut, dass persönliche Kontakte entscheidend sind, um Ängste und Vorbehalte zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen abzubauen.

Vernetzungsangebote, Beratung und Qualifizierung können dazu beitragen, dass Integration nachhaltig gelingt. Dies würde auch dazu beitragen, den – wenn auch seltenen - fundamentalistischen Missionierungsversuchen entgegenzuwirken.

Weitere Informationen: www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2017/maerz/fast-die-haelfte-der-muslime-engagiert-sich-in-der-fluechtlingshilfe