Das Problem Ungleichheit - Wissenschaftlicher Rechercheservice der Hans-Böckler-Stiftung zum WEF

Unterschiedlich hohe Münzstapel

Wirtschaftliche und soziale Ungleichheit sind zentrale Probleme. Weltweit, wie die Debatten zum Auftakt des World Economic Forum in Davos zeigen, und auch in Deutschland. Die Einkommen sind heute ungleicher verteilt als vor zwei bis drei Jahrzehnten, die Vermögen stärker konzentriert als in fast allen anderen Euro-Ländern, wobei der Anteil sehr reicher Haushalte wahrscheinlich noch unterschätzt wird. Die soziale Mobilität ist relativ gering:

Reiche bleiben meist reich, Arme arm, der soziale Status der Kinder hängt stark vom Elternhaus ab, zeigen Studien des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung und anderer Forscher.

„Das WSI hat in einer Studie berechnet, dass rund ein Drittel der Haushalte in Deutschland so gut wie kein Vermögen hat. Das ist nicht nur ungerecht, sondern schränkt diese Familie massiv in ihrer Lebensqualität ein. Auch die neue Oxfam Studie unterstreicht diesen Befund zu Recht“, sagt Prof Dr. Anke Hassel, wissenschaftliche Direktorin des WSI.

„Es ist eben nicht so, dass in einem sozialen Umfeld höherer Ungleichheit die Anstrengungen des Einzelnen durch erhöhte Aufstiegschancen stärker belohnt werden. Höhere Ungleichheit trägt vielmehr den Keim einer sozialen Erstarrung in sich“, erklärt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, in einem Beitrag zur aktuellen Oxfam-Studie. Doch dagegen lässt sich etwas tun: Das IMK hat eine Strategie gegen Ungleichheit entwickelt. Außerdem zeigt die international vergleichende Forschung, dass beispielsweise mehr Beteiligungsrechte für Beschäftigte in ihrem Unternehmen Ungleichheit begrenzen helfen.

Die folgenden Links erschließen Ihnen zum Thema Ungleichheit kurze Zusammenfassungen und Infografiken, an deren Ende die kompletten Untersuchungen verlinkt sind.

  • Vermögen verleiht Haushalten unter anderem die Autonomie, zur Not ohne laufende Einkommen ihren Konsum bestreiten zu können. Die Möglichkeiten dazu sind höchst unterschiedlich verteilt, so eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung: Während rund ein Drittel der Haushalte in Deutschland maximal Rücklagen für einige Wochen oder wenige Monate hat, könnten Haushalte am oberen Ende der Skala mindestens zwei Jahrzehnte durchhalten. Das zeigt der WSI-Verteilungsbericht 2017 (https://www.boeckler.de/14_111594.htm)
     
  • Die soziale Schere zwischen Arm und Reich ist deutlich geöffnet. Was die Politik dagegen tun kann, zeigt eine neue Studie des IMK der Hans-Böckler-Stiftung (https://www.boeckler.de/106575_110797.htm). Darin entwickeln die Forscher ein Drei-Säulen-Modell gegen Ungleichheit und Armut.
     
  • Die Einkommensverteilung in Deutschland wird undurchlässiger. Arme Menschen bleiben häufiger dauerhaft arm, während sehr reiche sich zunehmend sicher sein können, ihre Einkommensvorteile auf Dauer zu behalten. Das zeigt der WSI-Verteilungsbericht 2016 (https://www.boeckler.de/67713_67722.htm).
     
  • Wie hat sich die Ungleichheit bei den Einkommen entwickelt, wie sieht es bei den Vermögen aus? Bremst oder stärkt Ungleichheit die wirtschaftliche Entwicklung? Kurze Antworten auf zentrale Fragen im WSI-Verteilungsmonitor (https://www.boeckler.de/wsi_66092.htm).
     
  • Was hilft gegen Ungleichheit? Im Interview erklärt der Wissenschaftler Felix Hörisch, warum es gerechter zugeht, wenn Arbeitnehmer im Unternehmen mitbestimmen (https://www.boeckler.de/111181_111189.htm)

Weitere Studien und Befunde

  • Die Ungleichheit der Erwerbseinkommen in Deutschland ist zwischen 1995 und 2010 insgesamt spürbar angestiegen. Welche Faktoren bei dieser Entwicklung wichtig sind, erklärt IMK-Forscherin Dr. Ulrike Stein (https://www.boeckler.de/63667_112369.htm).
     
  • Rund 40 Prozent der Haushalte in deutschen Großstädten tragen eine prekär hohe Mietkostenbelastung (https://www.boeckler.de/106575_110740.htm). Damit verschärfen die Wohnkosten die wirtschaftliche Ungleichheit.
     
  • In den kommenden Jahren wird in Deutschland gut ein Viertel mehr vererbt und verschenkt als bisher angenommen – insgesamt dürfte das Erbvolumen (https://www.boeckler.de/106598_109839.htm) rund 400 Milliarden Euro pro Jahr betragen. Vor allem in wohlhabenden Haushalten wird deutlich mehr Vermögen als bislang geschätzt an die nächste Generation übertragen.