Journalismus in der digitalisierten Welt: Erstes CAIS-Forum diskutiert über Vertrauen in Medien

Podiumsdiskussion

Beim ersten Forum des Center for Advanced Internet Studies (CAIS) diskutierten Bürgerinnen und Bürger im Bochumer Jahrhunderthaus mit Expertinnen und Experten, wie sich Informationsvermittlung und Meinungsbildung durch Onlineangebote verändern. Schirmherrin der Veranstaltung war die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW Isabel Pfeiffer Poensgen. (Foto: Sabrina Richmann)

Das Internet ermöglicht dem Einzelnen, sich so gut und umfassend zu informieren wie nie zuvor. Welche Informationen Bürgerinnen und Bürger tatsächlich erhalten, bestimmen aber zunehmend Algorithmen und subjektive Vorlieben. Zudem wird es schwieriger, zwischen seriösen und fragwürdigen Quellen zu unterscheiden. Diese Entwicklungen bleiben nicht folgenlos und fordern das Vertrauen in diejenigen heraus, die über die Welt, in der wir leben, berichten.

Der Direktor des CAIS, Professor Michael Baurmann, bekräftigte den Anspruch des CAIS, einen Beitrag zur verantwortlichen Gestaltung einer digitalen Gesellschaft zu leisten und den aktiven Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern: "Dieser Austausch darf gerade angesichts des tiefgreifenden Wandels, den die Digitalisierung in nahezu allen Lebensbereichen auslöst, keine Einbahnstraße sein. Die Wissenschaft muss sich in ihrer Forschung an den Präferenzen und Interessen der Bürgerinnen und Bürger orientieren und die besondere Expertise nutzen, die sich nur aus der Erfahrung in der Praxis entwickelt."

In seinem Grußwort betonte der Parlamentarische Staatssekretär des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen Klaus Kaiser die Bedeutung der Wissenschaft für den Digitalisierungsprozess. Das CAIS verbinde den gezielten Blick auf Kernfragen der Digitalisierungsforschung mit dem öffentlichen Dialog: "Und das ist die Kompetenz, die wir brauchen, um die digitale Welt von morgen gestalten zu können. Wissenschaft und Forschung können dies nicht losgelöst von Wirtschaft und Gesellschaft tun."

Die Kommunikationswissenschaftler Professor Bernd Blöbaum (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) und Dr. Christian Nuernbergk (Universität Trier) erläuterten anhand aktueller Studien, dass das Vertrauen in die Medien über die Jahre insgesamt relativ stabil geblieben ist. Argwohn und Misstrauen in einzelnen Gruppen, die sich vor allem auch durch einen einseitigen Informations- und Meinungsaustausch im Internet verstärken, stuften sie allerdings durchaus als besorgniserregend ein. Dr. Alexander Marinos berichtete von seinen Erfahrungen, die er als stellvertretender Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung täglich mit den Vorbehalten von Leserinnen und Lesern macht.

Praktische Einblicke, etwa wie der Wahrheitsgehalt von Informationen mithilfe des Internets überprüft werden kann, brachte Johanna Wild in die Diskussion ein. Mit ihrer Agentur wafana hat sie es sich zur Aufgabe gemacht hat, Rechercheinstrumente zu entwickeln und Redaktionen fortzubilden. Die Direktorin des Grimme-Instituts (Marl), Dr. Frauke Gerlach, betonte, wie notwendig es ist, Personen aller Altersgruppen im Umgang mit Onlineinhalten zu schulen.