Leibniz-Preis 2018: DFG zeichnet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus

Porträt-Foto Jens Beckert

Jens Beckert erhält mit zehn weiteren Forscherinnen und Forschern die höchste wissenschaftliche Auszeichnung Deutschlands: den Leibniz-Preis. Der Soziologe wird ausgezeichnet für seine Arbeiten zur Erneuerung einer interdisziplinären Perspektive in den Sozialwissenschaften, vor allem im Schnittfeld von Soziologie und Wirtschaftswissenschaft – zwei Disziplinen, die sich seit Langem überwiegend isoliert voneinander entwickelt haben. Foto: juergen-bauer.com

Die neuen Trägerinnen und Träger des wichtigsten Forschungsförderpreises in Deutschland stehen fest: Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erkannte in Bonn vier Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftlern den Leibniz-Preis 2018 zu. Sie waren zuvor vom zuständigen Auswahlausschuss aus 136 Vorschlägen ausgewählt worden. Von den elf Preisträgerinnen und Preisträgern kommen jeweils drei aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Lebenswissenschaften und den Naturwissenschaften sowie zwei aus den Ingenieurwissenschaften. Neun der Ausgezeichneten erhalten je ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro, zwei Wissenschaftler teilen sich einen Preis zur Hälfte mit je 1,25 Millionen Euro. Diese Gelder können die Preisträgerinnen und Preisträger bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden. Verliehen werden die Leibniz-Preise 2018 am 19. März in Berlin.

Den „Förderpreis im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm“ der DFG für das Jahr 2018 erhalten:

  • Prof. Dr. Jens Beckert, Soziologie, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln
  • Prof. Dr. Alessandra Buonanno, Gravitationsphysik, Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut), Potsdam
  • Prof. Dr. Nicola Fuchs-Schündeln, Wirtschaftswissenschaften, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main
  • Prof. Dr. Veit Hornung, Immunologie, Genzentrum, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • und
  • Prof. Dr. Eicke Latz, Immunologie, Universitätsklinikum Bonn, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Prof. Dr. Heike Paul, Amerikanistik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Prof. Dr. Erika L. Pearce, Immunologie, Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg/Breisgau
  • Prof. Dr. Claus Ropers, Experimentelle Festkörperphysik, Georg-August-Universität Göttingen
  • Prof. Dr. Oliver G. Schmidt, Materialwissenschaften, Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden und Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, Technische Universität Chemnitz
  • Prof. Dr. Bernhard Schölkopf, Maschinelles Lernen, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Tübingen
  • Prof. Dr. László Székelyhidi, Angewandte Mathematik, Universität Leipzig

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG verliehen. Pro Jahr können bis zu zehn Preise mit einer Preissumme von jeweils 2,5 Millionen Euro verliehen werden. Mit den zehn Preisen für 2018 sind bislang insgesamt 358 Leibniz-Preise vergeben worden. Davon gingen 118 in die Naturwissenschaften, 103 in die Lebenswissenschaften, 82 in die Geistes- und Sozialwissenschaften und 55 in die Ingenieurwissenschaften. Da Preis und Preisgeld in Ausnahmefällen geteilt werden können, ist die Zahl der Ausgezeichneten höher als die der Preise. Insgesamt haben bislang 385 Nominierte den Preis erhalten, darunter 333 Wissenschaftler und 52 Wissenschaftlerinnen.

Im Kurzporträt: Soziologe Prof. Dr. Jens Beckert, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung

Jens Beckert erhält den Leibniz-Preis 2018 für seine Arbeiten zur Erneuerung einer interdisziplinären Perspektive in den Sozialwissenschaften, vor allem im Schnittfeld von Soziologie und Wirtschaftswissenschaft – zwei Disziplinen, die sich seit Langem überwiegend isoliert voneinander entwickelt haben. Bereits in seiner Dissertation zu „Grenzen des Marktes“ (1996) legte Beckert die Grundlagen der soziologischen Einbettung wirtschaftlicher Fragestellungen. Mit seiner Habilitation „Unverdientes Vermögen“ (2003) entwickelte er eine vergleichende Soziologie des Erbrechts, in der er aufzeigte, wie sich unterschiedliche Vorstellungen von familiärem Zusammenhalt, Verdienst und Anerkennung in rechtlichen Regeln niederschlagen. Dies brachte ihm auch in den Rechts- und Geschichtswissenschaften hohe Anerkennung ein. In seinem jüngsten Buch „Imagined Futures. Fictional Expectations and Capitalist Dynamics“ (2016) diskutiert Beckert unterschiedliche wirtschaftliche Praktiken und zeigt, wie verschiedene Vorstellungen über die Zukunft sozial koordiniert werden und es ermöglichen, mit der Ungewissheit in der Gegenwart umzugehen. So ist es Beckert gelungen, neue empirische Fragestellungen mit begrifflicher Reflektion zu verbinden und dabei aktuelle Problemstellungen in Wirtschaft und Gesellschaft zu thematisieren.

Jens Beckert ist seit 2005 Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Er studierte Soziologie und Betriebswirtschaft in New York und Berlin, 1996 wurde er in Berlin promoviert. Nach einem Gastaufenthalt an der Harvard University und einer einjährigen Tätigkeit als Associated Professor in Bremen habilitierte Beckert sich 2003 in Berlin. Von 2003 bis 2005 war er Professor für Gesellschaftstheorie an der Universität Göttingen.

Weitere Informationen

www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung_nr_52/

www.mpifg.de/aktuelles/Presseinfo/2017-12-14_JB_Leibniz_de.asp