Psychologe Prof. Dr. Jürgen Straub erhält Höffmann-Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz

Gruppenfoto Preisverleihung

Preisträger des Höffmann-Wissenschaftspreises 2017 ist der Psychologe Prof. Dr. Jürgen Straub der Ruhr-Universität Bochum (2.v.r.). Der Wissenschaftspreises für Interkulturelle Kompetenz wird jährlich vom Vechtaer Reiseunternehmer Hans Höffmann gestiftet. Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt der Universität Vechta betonte, dass alle Themen der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger, von großer gesellschaftlicher Relevanz gewesen seien. Foto: KFoto/Kokenge

Schmidt freue sich darüber, dass es durch die Vergabe des Preises möglich sei, Forschung zu fördern die dazu beitrage, „unsere Gesellschaft im besten Sinne zu verändern.“
Der Vorsitzende der Auswahl-Jury, Prof. Dr. Prof. h.c. Egon Spiegel erläuterte, dass an der Arbeit des Preisträgers Jürgen Straub überzeugend gewesen sei, dass er sich auf die Gemeinsamkeiten und Besonderheiten von Menschen und Kulturen und nicht die Unterschiede fokussiere. Es müsse in diesem Sinne einen Diskurs um „university“ geben, regte Spiegel an.

Im Anschluss an die offizielle Preisvergabe hielt Prof. Dr. Jürgen Straub seine Festrede unter dem Titel „Abjektionen des Anderen oder: Starke Affekte gegenüber Fremden unter der Lupe psychologischer Aufklärung.“ Straub zeigte auf, wie sehr „die Macht der Gefühle zum Problem in interkulturellen Begegnungen werden kann. […] Wir alle stehen uns mitunter selbst im Weg, wenn es um die Erfüllung unserer noblen Absichten und vorbildlichen Vorsätze geht.“ Die Erforschung des relationalen Phänomens der Abjektionen helfe dabei, „die psychodynamischen Wurzeln sowie einige psychosozialen Voraussetzungen, Implikationen und Folgen eines polemischen, destruktiven Umgangs mit kulturellen Unterschieden genauer in den Blick zu nehmen.“ Kultureller Austausch sei „als eine Art Arbeit am Abjekten aufzufassen […] als allmähliche Wandlung dessen, was von bestimmten Menschen als abjektiv erlebt wird, wenn sie sich auf andere Kulturen einlassen und , an fremden Lebensformen teilnehmend, interkulturell lernen.“ Damit sei die vielleicht tiefste Schicht der affektiv-emotionalen Dimension interkultureller Kompetenz berührt. Eine Facette, die bisher im Kontext interkultureller Kompetenz wenig diskutiert worden sei.

Zur Person

Prof. Dr. phil. Jürgen Straub ist seit April 2008 Inhaber des Lehrstuhls für „Sozialtheorie und Sozialpsychologie“ an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen Sozial- und Kulturpsychologie, interdisziplinäre Sozial- und Kulturtheorie, Interkulturalität, interkulturelle Kommunikation und Kompetenz, Identitätstheorie und Optimierungen und Normierungen des Menschen. Für den Höffmann-Wissenschaftspreis hat er sich mit der Fülle und Expertise seiner Arbeiten empfohlen, sowohl im Bereich der Grundlagentheorie als auch praktisch ausgerichteter Forschungen. Aktuelle Projekte behandeln die Bedeutung aversiver Affekte für interkulturelle Beziehungen oder die Rolle psychologischer und psychoanalytischer Religionskritik für eine von Toleranzgeboten durchdrungene Welt des 21. Jahrhunderts. Am zuletzt genannten Thema arbeitete er von Oktober 2016 bis September 2017 im Rahmen eines Distinguished Robert Bellah-Fellowship am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt.

Jürgen Straub ist u.a. Co-Direktor des 2014 gegründeten Hans Kilian und Lotte Köhler-Centrums (KKC) für sozial- und kulturwissenschaftliche Psychologie und historische Anthropologie und Vorstandsmitglied der Stiftung für Kulturwissenschaften im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Seit 2008 ist er stellvertretender Leiter des Projekts „Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Kultur, Menschheit und Werte“ im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen sowie assoziiertes Mitglied im DFG-Graduiertenkolleg „Faktuales und fiktionales Erzählen – Differenzen, Interferenzen und Kongruenzen in narratologischer Perspektive“ an der Universität Freiburg. Straub ist seit 2014 Mitherausgeber der Zeitschrift Psychosozial und im Wissenschaftlichen Beirat mehrerer internationaler Fachzeitschriften, für die er auch als Gutachter tätig ist. Er wirkt in wechselnden Beratungs- und Begutachtungsgremien mit und ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften.